Astronomische Binokulare / Doppelteleskope

Um es an dieser Stelle gleich vorneweg zu nehmen - das ist keine Justageanleitung sondern Gedanken zur Strategie über die Justage. Gleichzeitig sind diese Gedanken auch keine abschliessende Beurteilung sondern offene Gedanken dazu.

Zur Justage eines Doppelteleskop's oder grossen Feldstechers gibt es viele Wege und Empfehlungen. Es bleiben aber immer irgend welche Fragen die zum Teil kontrovers diskutiert werden. Auch ich kann das nicht abschliessend auflösen, Versuche aber etwas Licht in diesen Dschungel zu bringen.

Grundsätzliches:

Man kann natürlich ein Teleskopsystem mit zwei Okularen, ob es nun durch einen Strahlenteiler von einer Einzeloptik stammt oder von zwei getrennten Optiken technisch streng parallel justieren und sagen, so muss, bzw. müsste es sein. Aber ergibt das ein gutes, zweckmässiges Bild? Theoretisch ja, aber - die Biologie hält sich nicht daran, leider. Dazu muss man verstehen dass der Körper ja keinesfalls wie eine Maschine aufgebaut ist und genau so funktioniert wie es im Bauplan steht. Vielmehr ist jeder Körper anders (nicht nur um Aussehen) und das macht auch vor den äugen nicht halt. Das kleinste Übel sind da noch die unterschiedlichen Dioptrien die jeder hat oder die unterschiedliche Farbwahrnehmung. Nein, die Augen sind bei jedem Mensch etwas anders angeordnet. Damit meine ich nicht bloß, dass die Pupillen in einem unterschiedlichen Abstand zueinander angeordnet sind und die From der Augenhöhle bei jedem anders ist. Nein, es ist auch so, dass eigentlich niemand wirklich parallel sieht. Zum einem werden die Augen durch Reize vom Hirn hin und her bewegt und damit auch bis zu einem gewissen Rahmen aufeinander ausgerichtet. Es werden auch im Hirn die beiden Bilder zueinander deckungsgleich gemacht so dass ein harmonisches Seherlebnis entsteht. Das nimmt einen beachtlichen Teil der Leistung in Anspruch die das Hirn leisten muss; es passiert ja laufend und in Echtzeit.

Die Pupillen sind leider nicht einfach starr parallel angeordnet, als Teil eines biologischen Wesens sind diese zwar auf der einen Seite unheimlich Leistungsfähig gerade auch in Bezug auf den verarbeiteten Helligkeitsumfang, aber sie sind gewissermassen "free floating", sind in aller Regel nicht parallel. Gerde in der Ruhestellung nehmen diese zudem immer wieder abweichende Positionen ein.



Gedanken zur Justage

Die erste Frage die man verstehen muss ist: soll ich eine Optik auf die Augen ausrichten oder die Augen auf eine Optik? Beides funktioniert im Prinzip im Rahmen der möglichen Adaptionen. Bei genug Licht ist die erste Option durchaus auch zweckmässig. Das Hirn hat genug Objektinformationen um ein harmonisches Bild im Kopf entstehen zu lassen das der beobachteten Realität entspricht. Bei schwachem Licht, am untersten Rand der Wahrnehmungsgrenze kommt es aber zu einem deutlichen Abriss der Sehleistung. Das Auge liefert ähnlich wie ein Kamerasensor ein Grundrauschen dass in Echtzeit geglättet werden will. Ein enorme Leistung des Hirns das viele Ressourcen benötigt.

Wenn man die beiden Okulare auf die Augen ausrichtet und so dem Hirn diese Arbeit abnimmt bleibt mehr Leistung übrig, um aus den spärlichen Informationen noch sehr viel heraus holen zu können. Für mich ist es also ganz logisch dass ich eine Doppeloptik auf meine Augen ausrichte und nicht umgekehrt. Der Effekt ist gewaltig wenn man Objekte nahe der Wahrnehmungsgrenze (also DeepSky Objekte) beobachtet. Auch die reale 3D Wahrnehmung ist enorm wenn man Objekte in der Umgebung anschaut.

Ich empfehle also, ein Doppelteleskop unbedingt auf die eigenen Augen auszurichten um die volle Leistung zu erreichen. Damit kann man das Hirn entlasten und es bleibt mehr Leistung um die Feinheiten an der Wahrnehmungsgrenze zu erfassen - also sozusagen das Grundrauschen der Sehnerven besser zu kompensieren. Deshalb gibt es verschiedene Einstelloptionen mit denen man die Optik auf die Augen auszurichten - und nicht umgekehrt.

Es hat sich gezeigt dass in der möglichen Ruhestellung der Augen diese in ganz unterschiedliche Richtungen zeigen können. Es kann auch sein dass die beiden Augen zueinander ein klein wenig verdreht sein können. Das ist ein ganz spezieller Effekt der nicht erwartet war: Man justiert die beiden Optiken so ein das diese in Höhe und Azimut sich überdecken. Nimmt man als Umlenksystem ein EMS oder EZM so erwartet man auch dass die Okularsteckhülsen und damit die Okulare zueinander genau parallel stehen müssen. Theoretisch korrekt.

Wenn man ein EMS / EZM im Auszug verdreht (die Okularsteckhülse also nicht mehr genau zur anderen parallel noch oben steht) dann verdreht sich das Bild im Okular um die Achse. Das ist genau gleich wie wenn man einen Zenitspiegel im Auszug um die Achse dreht - das Bild rotiert im Okular. Sind also die beiden Okularsteckhülsen genau parallel noch oben platziert, müssten die Bilder genau gleich orientiert sein.

Das interessante ist nun, dass dies nicht immer bei jedem Beobachter so ist. Man kann nun einwenden dass auch die verbauten Umlenkspiegel nicht absolut genau in den Gehäusen justiert sind. Kann natürlich sein, aber: das spezielle ist, dass für eine Person X die beiden Bilder nun genau stimmen in der Rotation, für die Person Y aber nicht.... also scheint es so zu sein dass zumindest bei einigen Person ein Auge quasi leicht verdreht ist in der Achse zum anderen.

Was passiert nun aber: in der Regel wird das Hirn die Info eines Auges quasi ausblendet oder es "rechnet" die beiden Bilder deckungsgleich wenn das Bild das im Kopf entsteht nicht zusammenpasst - das Bild das im Kopf entsteht scheint perfekt, aber man verliert an Sehleistung. Nicht tragisch wenn genug Licht da ist, aber wenn eben dieses weitgehend fehlt (DeepSky) führt das zu einem mehr oder weniger deutlichem Verlust. Inwiefern das Hirn auch in der Lage ist, die Bilder "zurecht zu drehen" ist mir nicht klar.

Also was ist zu tun: Das einfachste ist, einfach die EMS / EZM so zu verdrehen dass die Bilder zueinander in der gleichen Rotationsposition stehen. Perfektionisten können nun einwenden, das schaut mechanisch nicht gut aus - in dem Fall kann man auch den Effekt bis zu einem gewissen Betrag damit erreichen indem man "nur" einen oder zwei Spiegel in den EMS / EZM etwas kippt und mechanisch die Hülsen parallel lässt.

Man muss sich einfach immer Bewusst sein, dass man diese Einstellung für sich macht und damit unter Umständen einer anderen Person verunmöglicht mit dem Teleskop ein vernünftiges Bild zu erreichen. Zum Glück ist aber dieser Fehler in der Praxis eher nicht sehr stark ausgeprägt. Er macht sich einfach je stärker bemerkbar je grösser die Gesichtsfelder der verwendeten Okulare sind. Okulare mit etwas kleinerem Gesichtsfeld (bis 70 Grad) sind aus dem Grund eher vorzuziehen.

Gerade wenn sich die Bilder nicht 100% überdecken kommt mit stark weitwinkligen Okularen noch ein zusätzliches Problem hinzu: diese haben ja um die Bildfeldkrümmung in Grenzen zu halten und möglichst scharfe Sterne am Rand zu erzeugen eine recht deutliche Verzeichnung (die Brennweite ist also zum Rand hin grösser). Hat man also zwei Bilder die sich nicht ganz genau decken, so wird die Verzeichnung unweigerlich dazu führen dass allein diese dazu führt dass die Bilder zwar in der Mitte deckungsgleich sind aber an den Ränder in alle Richtungen abweichen. Auch aus diesem Gesichtspunkt sollte man eher Okulare verwenden die ein nicht extrem grosses Gesichtsfelder haben und vor allem möglichst schmal gebaut sind bei der Augenlinse.



Die gefürchtete Acht im Bild

Wer kennt es nicht, der Ausblick in die Landschaft durch den Feldstecher der aussieht wie eine liegende Acht. An und für sich in dieser Anwendung meist kein Problem. Allerdings ist nur der Bereich des Bildes wirklich durch doppeltes Sehen gebildet wo sich die zwei Kreise überschneiden. Und um genau diesen Bereich geht es wenn man mehr Leistung aus einer Optik herausholen will. Zwei Augen können tatsächlich mehr sehen als eines. Aber eben nur wenn sie das gleiche sehen.

Diesen Effekt der liegenden Acht kann man ganz leicht erzeugen, jedoch ist die Eliminierung schwieriger. Wie lässt es sich erzeugen? Einfach indem man die Okulare (bzw. wenigstens eines) seitlich aus der optischen Achse des Teleskops nach aussen bewegt. Verkippen bringt da nichts, aber ein seitliches Verschieben bewirkt unmittelbar dass die Bilder sich nicht mehr decken sondern mehr oder weniger nebeneinander liegen. Das kann man so weit machen das sich nur ein paar wenige Prozente des Bildes in der Mitte überschneidet und in diesem Bereich kein Doppelbild entsteht. Der Vorteil wäre, dass man gleichzeitig ein grösseres Feld überblicken kann. Der Nachteil dass man gerade bei DeepSky viele Graustufen verliert und so die Objekte nicht mehr aufgelöst werden können sondern nur noch ein nebliges Ding ohne Struktur bleiben.

Aber warum entsteht das wenn ich die Okulare in der Hülse gar nicht seitlich verstellen kann? Die bis jetzt nachvollziehbarste Ursache ist weil man den Abstand der Okulare so einstellt das man durch beide angenehm schauen kann. Bzw. eben so dass ie Okulare angenehm an der Augenhöhle anliegen was dann eben nicht dem korrekten Augenabstand entspricht. Mn stellt also die Okulare weiter auseinander als es der native Augenabstand ist.

Sind die Okulare bei der Augenlinse breiter und der Augenabstand so dass man mit der Augenmuschel angenehm angedrückt gut rein schauen kann ist es bei den meisten Personen so dass man das Okular ein wenig seitlich nach aussen winkelt. Man schaut dann durch ein solches Okular jeweils ganz leicht nach aussen: mit dem rechten Auge ein wenig nach rechts, mit dem linken Auge ein wenig nach links (wenn Sie normal mit dem linken Auge schauen). So kann man auch ein grosses Okular angenehm an die Augenhöhle anschmiegend durch jedes Okular schauen auch wenn das Okular nicht gut in die Augenhöhle passt.

Wenn man nun aber zwei Okulare gleichzeitig an beide Augen setzt geht das natürlich nicht mehr. Man wird man den Abstand bei grossen Okularen tendenziell grösser einstellen als es der eigentliche Augenabstand ist. Dann kann folgendes passieren: bei grosser Austrittspille kann man gut ein wenig neben der optischen Achse rein schauen und es funktioniert trotzdem. Macht man das mit beiden Augen führt das zu einem gleichzeitigen Versatz in die entgegengesetzten Richtung. Die Bilder sind nicht mehr genau übereinander sondern ein wenig nebeneinander.

Die andere Möglichkeit ist, das man mit dem rechten Auge ein klein wenig nach rechts, mit dem linken Augen ein klein wenig nach links schielt. Es wird der gleiche Effekt zur Folge haben. Inwieweit man das aber überhaupt kann ist nicht klar. Ursprung ist aber dass die Okulare in einem etwas zu grossen Abstand zueinander stehen und wenn man diesen korrekt einstellt man etwas über den Okularen schweben wird was dazu führt dass man nicht mehr das ganze Gewichtsfeld überblicken kann - neben dem Effekt das seitlich Licht zu den Augen gelangen kann.

Ein weiterer Grund also das man nicht so grosse, weitwinklige Okulare verwenden soll. Allerdings muss hier auch betont werden dass da bei weitem nicht alle Personen gleich betroffen sind und gleich reagieren - jede Kopfform ist etwas anders und es gibt auch Menschen die solche Okulare mit wenig Problemen perfekt nutzen können.

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